Gershon Einbinder (1901-1964) zählte zu den vielseitigsten und produktivsten jiddischen Autoren seiner Generation. Die Bandbreite seines schriftstellerischen Outputs reichte von journalistischen Arbeiten, Theaterstücken, Drehbüchern, Romanen und autobiografischen Darstellungen bis hin zu Kinderliteratur. In letztgenanntem Genre feierte er seine größten Erfolge. Den allergrößten Publikumserfolg landete Chaver Paver, so der Künstlername Einbinders, im Jahr 1935 mit Meyselekh vegn klugn hintele Labzik — Geschichten vom klugen Hündchen Labzik.

Diesem Klassiker der jiddischen Jugendliteratur hat sich nun das Theater Emory in Atlanta angenommen — und zwar im Rahmen einer äußerst sehenswerten jiddisch-englischen Puppentheater-Adaption, die dem Geiste der 85 Jahre alten Buchvorlage voll und ganz gerecht wird und der Geschichte gleichzeitig frischen Wind einhaucht. 

Die liebevoll gearbeiteten Papierpuppen, der fließende Wechsel zwischen englischer Rahmenerzählung und jiddischen Dialogen und die begleitenden stimmungsvollen Klezmer-Töne verleihen der Geschichte vom klugen Vierbeiner Labzik, der sich im New York der Großen Depression für soziale Gerechtigkeit stark macht, eine ganz besondere Dynamik. 

Das gut 50-minütige Puppenspiel umfasst vier Labzik-Geschichten: The Hard-Luck Pup, Labzik and the Doctor, Labzik and the Mayor und Labzik and the Pioneers. Vor jeder Geschichte gibt der Autor Chaver Paver bzw. sein Puppen-Alter-Ego eine kurze Einführung — übrigens in reinstem Yenglish. Durch die einzelnen Episoden führen wechselnde Erzähler — alles Studenten der Emory University — auf Englisch, während die Dialoge wie erwähnt auf Jiddisch gesprochen werden, u. a. von Shane Baker, Abigail Weaver, Asya Vaisman Schulman, Mikhl Yashinsky, Adah Hetko und Leyzer Burko. Alles ist auf Englisch untertitelt.

Diese originelle Adaption des jiddischen Kinderbuchklassikers Labzik kann bis einschließlich 5. Juni über die Website des Theaters kostenlos gestreamt werden. Danach wird sie sicherlich noch bei so manchem Filmfestival zu sehen sein.

Wer steckt hinter der Produktion?

Die ca. 200 verschiedenen Puppen wurden mit viel Liebe zum Detail von Ryan Bradburn entwickelt. Jake Krakovsky erweckt sie mit seinem Spiel zum Leben und führt außerdem Regie. Für Bühnenbild und Hintergründe zeichnet Marcia R. Cohen verantwortlich. Miriam Udel, die vor kurzem Honey on the Page — eine Sammlung jiddischer Kindergeschichten — veröffentlichte, hat die Labzik-Geschichten ins Englische übersetzt. Last but not least sind noch Melanie Chen Cole, Michael Winograd, Jake Shulman-Ment, Mikhl Yashinsky, Lisa Fishman und Lorin Sklamberg zu nennen, die dem Schauspiel einen stimmungsvollen musikalischen Rahmen verleihen.

Weitere Infos zum Stück und zum Produktionsteam finden sich auf der Website des Theater Emory.

Wer die Geschichten über Labzik in der originalen jiddischen Fassung lesen möchte, findet den Volltext auf der Website des Yiddish Book Center:

Originaltitel: לאבזיק : מייסעלעך וועגן קלוגן הינטעלע לאבזיק (Labzik: meyselekh vegn klugn hintele Labzik)

Verfasser: Chaver Paver (כאווער פאווער)

Herausgeber: Internatsyonaler Arbeter Ordn, New York

Erscheinungsjahr: 1935

Umfang: 82 Seiten


Theater Emory präsentiert: Labzik — Tales of a Clever Pup