Am 8. Juli jährte sich der Todestag von William Wolff, dem langjährigen Landesrabbiner von Mecklenburg-Vorpommern, zum ersten Mal.

Durch Britta Wauers Dokumentarfilm Rabbi Wolff — Ein Gentleman vor dem Herrn war William Wolff einem größeren Publikum bekannt geworden. Der Film zeichnet ein liebevolles Porträt des charismatischen und unkonventionellen Rabbiners, der jede Woche zwischen seinem Haus in der Nähe von London und seinen Gemeinden in Schwerin und Rostock hin- und herreiste. Das Filmteam begleitete den Rabbiner zu seinen Gottesdiensten, seinem jährlichen Besuch auf der Pferderennbahn in Ascot, zu seinen Yoga-Übungen, zu seiner orthodoxen Familie in Israel. 

Unterwegs erzählt Rabbi Wolff über sich und sein Leben: seine Kindheit in einer orthodoxen Familie in Berlin, die Flucht nach Amsterdam 1933 und weiter nach London 1939. Er erzählt von seinem Kindheitswunsch, Rabbiner oder Journalist zu werden. Da die finanziellen Verhältnisse zu Hause aber kein Rabbinerstudium ermöglichten, wurde William Wolff zunächst Journalist: 30 Jahre lang berichtete er über die britische Innenpolitik, u. a. für den Daily Mirror.

Als er seinen 50. Geburtstag feierte, war endlich die Zeit reif für den zweiten Teil seines Berufswunsches. Er schrieb sich am Leo Baeck College in London ein und ließ sich in fünf Jahren zum Rabbiner ausbilden. 1984 erhielt er seine Semicha. In den Folgejahren arbeitete er in verschiedenen Gemeinden in England, u. a. West London Synagogue, Newcastle upon Tyne, Milton Keynes, Reading, Brighton und Wimbledon.

2002 zog es ihn zurück in sein Geburtsland, wo er in Mecklenburg-Vorpommern die Stelle des Landesrabbiners übernahm — eine Stelle, die über 60 Jahre unbesetzt gewesen war. William Wolff leistete einen großen Beitrag beim Wiederaufbau jüdischen Lebens in Schwerin und Rostock. 

Für seinen unermüdlichen Einsatz für jüdisches Leben in Deutschland und den interkulturellen bzw. interreligiösen Dialog erhielt er zahlreiche Ehrenpreise: Ehrenbürger in Schwerin und Rostock, Ehrendoktor der Universität Greifswald, Bundesverdienstkreuz, Israel-Jacobson-Preis u. a.

Mit Rabbi Wolff — Ein Gentleman vor dem Herrn hat Britta Wauer dem “Gentleman-Rabbiner” ein filmisches Denkmal gesetzt ein wunderbares Erinnerungswerk über William Wolff, der so viele Menschen mit seiner Lebensfreude und seinem unerschütterlichen Optimismus inspirierte.


www.rabbiwolff.de